Vielen Handwerksbetrieben geht es so: Bauzeiten werden nicht eingehalten und Schäden entstehen. Obwohl du in diesem Fall selbstverständlich einen Anspruch auf Schadensersatz hast, werden deine Ansprüche in Form von VOB Nachträgen abgelehnt.
Warum passiert das immer wieder? Und mit welcher Vorgehensweise kannst du das in Zukunft ändern? Erfahre in diesem Artikel unseres VOB Magazins, wie du Nachträge nach VOB stellst, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen werden.
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Was ist ein VOB-Nachtrag?
Was ist ein VOB Nachtrag?
Ein VOB Nachtrag ist eine formelle Anforderung an den Auftraggeber, zusätzliche oder geänderte Leistungen, die während des Bauvorhabens notwendig werden, entsprechend zu vergüten. Er basiert auf den Regelungen der VOB und dient dazu, finanzielle und vertragliche Klarheit zu schaffen.
Ein VOB-Nachtrag entsteht immer dann, wenn sich das ursprünglich vereinbarte Bausoll ändert. Das kann durch geänderte oder zusätzliche Leistungen, Planungsänderungen, technische Anpassungen oder erschwerte Baubedingungen passieren.
Laut VOB/B ist eine Änderung der Vergütung möglich, wenn der Auftraggeber die Leistung erweitert oder ändert (§ 2 Abs. 5 und 6 VOB/B).
Die korrekte Nachtragsbearbeitung entscheidet über deine Wirtschaftlichkeit. Denn nur wer sauber dokumentiert und begründet, kann den Vergütungsanspruch auch durchsetzen.
Wie entsteht ein Nachtrag nach VOB konkret?
In der Praxis läuft es meist so: Während der Bauausführung stellt der Auftragnehmer fest, dass zusätzliche Arbeiten nötig sind – etwa durch Planänderungen.
Der Auftragnehmer erstellt daraufhin ein Nachtragsangebot mit Kalkulationsnachweis und reicht dieses zur Beauftragung ein.
Wird der Nachtrag dem Grunde nach beauftragt, kann mit der Ausführung begonnen werden. Erst nach prüfbarer Vorlage darf die Vergütung erfolgen.
Welche Fristen gelten für die VOB-Nachtragsbearbeitung?
Die Nachtragsfrist nach VOB richtet sich nach § 650c BGB. Der Auftraggeber hat grundsätzlich 30 Tage Zeit, um das Nachtragsangebot zu prüfen.
Wichtig: Jede Verzögerung kann deine Liquidität und deinen Cashflow beeinflussen. Daher sollten Nachträge direkt erfasst und fortlaufend dokumentiert werden. Mehr dazu findest du im Artikel über das Nachtragsmanagement im Bau.
Endlich fair vergütet – dein Weg zum erfolgreichen VOB-Nachtrag
Deine Nachtragsansprüche scheitern regelmäßig? Im Folgenden möchten wir dir die drei größten Fehler von Handwerkern beim Anfertigen von Nachträgen nach VOB vorstellen – und dir zeigen, wie du es besser machst.
Grund 1: Du reitest auf Sachinformationen herum, die du im Detail gar nicht nachweisen kannst.
Ganz egal, ob du in der Sache Recht hast. Ganz egal, ob dein juristisches Deutsch einwandfrei ist. Ganz egal, ob du dir viel Zeit für die Erstellung von Dokumenten nimmst. In den meisten Fällen wirst du mit dieser Strategie nicht erfolgreich sein. Der Input steht in diesem Fall in keinem Verhältnis zum Output, denn du wirst deinen Anspruch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht durchsetzen können.
Wir haben ein alternatives Vorgehen für dich: Hilf dem Auftraggeber, indem du ihm Schritt für Schritt erklärst, worauf er bei der Planung achten kann und erinnere ihn an wichtige Leistungen. So schaffst du eine Vertrauensbasis, die mit reinen Sachinformationen kaum zu erreichen ist – und kannst deine Position nutzen, um jeden VOB Nachtrag sicher durchkommen zu lassen.
Grund 2: Du weist deinen Auftraggeber nicht von Beginn an auf eine fehlerhafte Planung hin.
Dir fällt auf, dass die Planung unrealistisch ist, das Leistungsverzeichnis lückenhaft und der Bauzeitenplan unrealistisch? Dazu fehlen noch Vorleistungen, die notwendig sind, damit du richtig mit deiner Arbeit loslegen kannst? Sieh nicht dabei zu, wie dein Betrieb ins offene Messer läuft, sondern kommuniziere frühzeitig mit dem Auftraggeber.
Merke:
Wenn du es nicht machst, dann schafft in diesem Fall niemand Transparenz.
Grund 3: Du dokumentierst nur sporadisch.
Wenn du als Handwerker nur gelegentlich und ohne festes System dokumentierst, öffnest du Tür und Tor für Missverständnisse und Streitigkeiten.
Eine lückenhafte Dokumentation gibt dem Auftraggeber oder anderen Beteiligten am Bau die Möglichkeit, die Qualität und den Umfang deiner erbrachten Leistungen anzuzweifeln.
Dies kann dazu führen, dass du nicht die volle Bezahlung für deine Arbeit erhältst. Deshalb ist es essenziell, dass du von Beginn an ein klares und kontinuierliches Protokoll deiner Arbeiten führst.
Dies kann zum Beispiel in Form eines Bautagesberichts erfolgen. So kannst du Zusatzleistungen nachvollziehbar festhalten und stellst sicher, dass jede Minute deiner Arbeit fair entlohnt wird.So kannst du Zusatzleistungen nachvollziehbar festhalten und stellst sicher, dass jede Minute deiner Arbeit fair entlohnt wird.
So erstellst du einen durchsetzungsfähigen Nachtrag nach VOB
Die Erstellung eines prüfbaren Nachtrags ist keine Formsache, sondern ein strukturierter Prozess. Entscheidend sind Nachweisführung und Nachvollziehbarkeit der Kalkulation.
Der Nachtrag muss alle Änderungen klar beschreiben, Kosten offenlegen und die Bezugspunkte zum ursprünglichen Vertrag aufzeigen.
- Jede zusätzliche oder geänderte Leistung muss vollständig und nachvollziehbar beschrieben werden, um Missverständnisse zu vermeiden.
- Grundlage des Nachtrags sind die relevanten Vertragsunterlagen wie Leistungsverzeichnis, Planänderung oder schriftliche Anordnung.
- Der Kalkulationsnachweis muss sämtliche Einzelkosten, Zuschläge und Umlagen transparent und prüfbar darstellen.
- Jeder Nachtrag sollte sich eindeutig auf den zutreffenden VOB-Paragraphen beziehen, um rechtliche Klarheit zu schaffen.
- Der Nachtrag ist in prüffähiger Form beim Auftraggeber einzureichen, damit die Vergütung zügig geprüft werden kann.
Beauftragung und Abrechnung
Ein VOB-Nachtrag ist nur dann verbindlich, wenn er beauftragt wurde. Das kann entweder dem Grunde nach oder der Höhe nach erfolgen.
Wird lediglich dem Grunde nach beauftragt, steht die Höhe der Vergütung noch unter Vorbehalt. Erst mit Einigung über die Vergütung ist der Nachtrag vollständig abgeschlossen.
Ein häufiger Fehler: Nachträge werden ausgeführt, bevor sie beauftragt sind. Das führt häufig zu Streit über die Zahlungspflicht und zum Risiko, die Mehrkosten selbst zu tragen.
Fazit
Setze VOB Nachträge klug ein und schütze damit dein Handwerksunternehmen vor finanziellen Verlusten durch Nicht-Bezahlung.
Nachträge sind dein Schlüssel, um für jede zusätzliche oder veränderte Leistung bezahlt zu werden. Sie geben dir die Macht, Fairness und Transparenz in VOB-Projekten durchzusetzen.
Wenn du von Beginn an eine kooperative Kommunikation mit deinem Auftraggeber aufbaust, erleichterst du das Einreichen von VOB-Nachträgen erheblich.
Dokumentierst du zusätzlich alle Aktivitäten auf der Baustelle akribisch, stärkst du deine Position weiter.
Wendest du dieses Wissen über Jahre hinweg an, kannst du deine Liquidität im Laufe der Zeit deutlich steigern.
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Fachliche Sicherheit durch Continu-ING
Continu-ING steht Handwerksbetrieben als erfahrener Partner im VOB-Projektgeschäft zur Seite. Wir kennen die Herausforderungen auf der Baustelle genauso wie die rechtlichen Rahmenbedingungen.
Mit uns erhältst du praxisnahe Unterstützung bei der Erstellung, Prüfung und Argumentation deiner VOB-Nachträge – von der Kalkulation bis zur Vergütungsdurchsetzung.
Ob VOB/B Nachtrag, Pauschalvertrag oder Nachtrag nach Schlussrechnung – wir helfen dir, rechtlich korrekt und wirtschaftlich erfolgreich zu handeln.
FAQ – häufig gestellte Fragen zu VOB-Nachträgen
Warum sind VOB-Nachträge für Handwerker so wichtig?
VOB Nachträge sind für dich als Handwerker unerlässlich. Sie stellen sicher, dass du für jede zusätzliche Arbeit, die über den ursprünglichen Vertragsumfang hinausgeht, angemessen entlohnt wirst. Sie schützen dein Unternehmen vor unerwarteten Kosten und ermöglichen eine faire Abrechnung.
Wie stelle ich sicher, dass mein VOB Nachtrag anerkannt wird?
Um sicherzustellen, dass dein VOB Nachtrag anerkannt wird, ist es entscheidend, alle Änderungen detailliert zu dokumentieren und diese zeitnah beim Auftraggeber einzureichen. Pflege von Anfang an eine partnerschaftliche Kommunikation mit ihm. Wenn du alle Vorgänge auf der Baustelle sauber dokumentierst, schaffst du eine verlässliche Grundlage für das gesamte Projekt. Dadurch wird das spätere Stellen von VOB-Nachträgen um ein Vielfaches einfacher.
Wann sollte ich einen VOB-Nachtrag einreichen?
Einen VOB-Nachtrag solltest du immer so früh wie möglich einreichen – idealerweise direkt dann, wenn es durch die Anordnung des Auftraggebers zu einer Änderung der vertraglich vereinbarten Leistungen kommt. Je früher du den Auftraggeber schriftlich informierst und die Änderung nachvollziehbar dokumentierst, desto besser sicherst du deinen Vergütungsanspruch ab. Wartest du zu lange oder führst zusätzliche Leistungen aus, bevor der Nachtrag zumindest dem Grunde nach beauftragt wurde, steigt das Risiko von Streitigkeiten über die spätere Bezahlung.

